Kauf & Finanzierung

Eigenkapital beim Immobilienkauf einfach erklärt

Was ist Eigenkapital beim Immobilienkauf? Erfahre, was als Eigenkapital zählt, wie viel sinnvoll ist und wie es Finanzierung, Zinsen und Restschuld beeinflusst.

Lesedauer: ca. 7 Minuten

Was bedeutet Eigenkapital?

Eigenkapital sind eigene finanzielle Mittel, die du für den Kauf einer Immobilie einsetzen kannst. Dazu gehören zum Beispiel Bankguthaben, Tagesgeld, Wertpapiere oder bereits bezahlte Grundstücke. Eigenkapital reduziert den Finanzierungsbedarf und kann die Konditionen einer Baufinanzierung verbessern.

Was ist Eigenkapital beim Immobilienkauf?

Beim Immobilienkauf besteht der gesamte Kapitalbedarf meist aus dem Kaufpreis, den Kaufnebenkosten und gegebenenfalls zusätzlichen Kosten für Renovierung oder Modernisierung. Der Anteil, den du davon aus eigenen Mitteln bezahlst, wird als Eigenkapital bezeichnet.

Der verbleibende Betrag wird üblicherweise über ein Bankdarlehen oder andere Finanzierungsbausteine finanziert. Aus Sicht der Bank dient Eigenkapital als Sicherheit: Je höher dein eigener Anteil, desto niedriger ist das Verhältnis zwischen Darlehen und Immobilienwert.

Merksatz

Eigenkapital ist nicht nur „Geld auf dem Konto“. Entscheidend ist, welche eigenen Mittel tatsächlich und kurzfristig für den Immobilienkauf eingesetzt werden können.

Was zählt als Eigenkapital?

Typische Eigenkapitalquellen sind:

Bankguthaben

Girokonto, Tagesgeld oder Sparguthaben.

Wertpapiere

Zum Beispiel Aktien, ETFs oder Fonds, sofern sie verkauft werden sollen.

Bausparguthaben

Bereits angespartes Guthaben aus einem Bausparvertrag.

Grundstücke

Ein bereits bezahltes Grundstück kann in einer Finanzierung berücksichtigt werden.

Eigenleistungen

Bei Bau- oder Sanierungsprojekten können anrechenbare Eigenleistungen teilweise als sogenannte Muskelhypothek gelten.

Schenkung oder verfügbares Familienkapital

Sofern die Mittel tatsächlich zur Verfügung stehen und sauber dokumentiert sind.

Merksatz

Nicht jede Vermögensposition ist automatisch sinnvoll einsetzbares Eigenkapital. Eine vollständige Auflösung deiner Liquiditätsreserve kann finanziell riskant sein.

Wie viel Eigenkapital ist beim Immobilienkauf sinnvoll?

Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Häufig gilt es jedoch als solide, zumindest die Kaufnebenkosten aus Eigenkapital tragen zu können. Wer zusätzlich einen Teil des Kaufpreises selbst finanziert, senkt den benötigten Kredit weiter.

[TABLE]

Eigenkapital-SituationTypische Wirkung
Kein EigenkapitalSehr hoher Finanzierungsbedarf, meist strengere Bankprüfung.
Nur KaufnebenkostenKaufpreis wird finanziert, Nebenkosten aus eigenen Mitteln.
Nebenkosten + 10–20 % KaufpreisDeutlich geringerer Finanzierungsbedarf und häufig bessere Ausgangslage.
Hoher EigenkapitalanteilNiedrigere Darlehenssumme, aber mehr eigenes Kapital ist langfristig gebunden.

Ob mehr Eigenkapital tatsächlich besser ist, hängt auch von deiner Strategie ab. Kapitalanleger möchten beispielsweise oft Liquidität für weitere Käufe, Rücklagen oder Modernisierungen behalten.

Beispiel: Immobilienkauf mit Eigenkapital

Angenommen, du möchtest eine Eigentumswohnung für 250.000 € kaufen. Die Kaufnebenkosten liegen in diesem Beispiel bei 25.000 €.

Kaufpreis250.000 €
Kaufnebenkosten25.000 €
Gesamtkapitalbedarf275.000 €
Eigenkapital50.000 €
Benötigtes Darlehen225.000 €

Du bringst in diesem Beispiel 50.000 € selbst ein. Dadurch muss nicht der gesamte Kapitalbedarf über ein Darlehen finanziert werden.

Wie beeinflusst Eigenkapital die Finanzierung?

Eigenkapital wirkt sich auf mehrere Bereiche einer Immobilienfinanzierung aus:

  • Darlehenshöhe: Mehr Eigenkapital reduziert den benötigten Kredit.
  • Monatliche Rate: Bei gleicher Laufzeit kann eine niedrigere Darlehenssumme die Rate reduzieren.
  • Zinskosten: Eine geringere Kreditsumme führt über die Laufzeit zu weniger absoluten Zinskosten.
  • Bankrisiko: Ein höherer Eigenkapitalanteil senkt das Finanzierungsrisiko aus Sicht des Kreditgebers.
  • Beleihungsauslauf: Je geringer das Verhältnis von Kredit zum Beleihungswert, desto günstiger können die Finanzierungskonditionen ausfallen.
Praxis-Tipp

Praxis-Tipp Vergleiche nicht nur die Frage „Wie viel Eigenkapital kann ich einsetzen?“, sondern auch „Wie viel Liquidität sollte nach dem Kauf noch übrig bleiben?“ Rücklagen für Reparaturen, Sonderumlagen und unerwartete Ausgaben sind gerade bei Kapitalanlagen wichtig.

Eigenkapitalquote berechnen

Die Eigenkapitalquote zeigt, welcher Anteil des gesamten Kapitalbedarfs durch eigene Mittel gedeckt wird.

quote = Eigenkapital Gesamtkapitalbedarf × 100

Im Beispiel mit 50.000 € Eigenkapital und 275.000 € Gesamtkapitalbedarf beträgt die Eigenkapitalquote rund 18,2 %.

Kann man eine Immobilie ohne Eigenkapital kaufen?

Ja, eine sogenannte Vollfinanzierung oder Finanzierung inklusive Kaufnebenkosten ist grundsätzlich möglich. Sie wird jedoch meist strenger geprüft und ist nicht für jeden Käufer verfügbar.

Banken betrachten dabei unter anderem Einkommen, Beschäftigungssituation, bestehende Verpflichtungen, Bonität, Haushaltsüberschuss und die Qualität der Immobilie.

Wichtig

Eine Finanzierung ohne Eigenkapital erhöht den Fremdkapitalanteil und damit das finanzielle Risiko. Schon kleinere Wertverluste können dazu führen, dass der offene Kredit höher ist als der erzielbare Verkaufspreis.

Häufige Fehler beim Einsatz von Eigenkapital

01
01 Die gesamte Liquidität einsetzen Nach dem Kauf bleibt kein finanzieller Puffer für Reparaturen oder ungeplante Kosten.
02
Die gesamte Liquidität einsetzen Nach dem Kauf bleibt kein finanzieller Puffer für Reparaturen oder ungeplante Kosten.
03
02 Kaufnebenkosten unterschätzen Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und gegebenenfalls Makler erhöhen den tatsächlichen Kapitalbedarf.
04
Kaufnebenkosten unterschätzen Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und gegebenenfalls Makler erhöhen den tatsächlichen Kapitalbedarf.
05
03 Nur auf die Monatsrate schauen Auch Zinsbindung, Tilgung, Restschuld und Liquiditätsreserve müssen zur Strategie passen.
06
Nur auf die Monatsrate schauen Auch Zinsbindung, Tilgung, Restschuld und Liquiditätsreserve müssen zur Strategie passen.
07
04 Eigenkapital ohne Opportunitätskosten betrachten Kapital, das in der Immobilie steckt, steht nicht mehr für andere Investitionen oder Reserven zur Verfügung.
08
Eigenkapital ohne Opportunitätskosten betrachten Kapital, das in der Immobilie steckt, steht nicht mehr für andere Investitionen oder Reserven zur Verfügung.

Kostenloser Rechner Wie viel Eigenkapital brauchst du? Berechne Kaufnebenkosten, Finanzierungsbedarf, monatliche Rate und Restschuld für deine Immobilie. Finanzierungsrechner öffnen →

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Wie viel Eigenkapital sollte man für eine Immobilie haben?

Das hängt von Einkommen, Kaufpreis, Objekt und Finanzierungsstrategie ab. Als solide Ausgangslage gilt häufig, zumindest die Kaufnebenkosten aus eigenen Mitteln zahlen zu können. Zusätzlicher Eigenkapitaleinsatz kann die Finanzierung weiter verbessern.

Kann ich eine Immobilie ohne Eigenkapital finanzieren?

Ja, das ist grundsätzlich möglich. Solche Finanzierungen stellen jedoch höhere Anforderungen an Einkommen, Bonität und Objektqualität und können teurer sein.

Zählen Aktien und ETFs als Eigenkapital?

Ja, Wertpapiere können grundsätzlich als Vermögen berücksichtigt werden. Für den tatsächlichen Kauf müssen sie jedoch entweder verkauft oder in einer von der Bank akzeptierten Form berücksichtigt werden.

Sollte ich mein gesamtes Eigenkapital einsetzen?

Nicht unbedingt. Eine ausreichende Liquiditätsreserve für Reparaturen, Sonderumlagen und unerwartete Ausgaben kann wichtiger sein als die maximale Reduzierung des Darlehens.

Was ist besser: viel Eigenkapital oder hohe Tilgung?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Mehr Eigenkapital reduziert die anfängliche Darlehenssumme, während eine höhere Tilgung den Kredit schneller zurückführt. Sinnvoll ist eine Gesamtbetrachtung aus Rate, Zins, Liquidität und Strategie.

Hinweis: Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Finanzierungs-, Steuer- oder Rechtsberatung.