Kategorie: Sanierung Stand: August 2026 Lesedauer: ca. 10 Minuten
Kurz erklärt
Instandhaltung umfasst Maßnahmen, mit denen der ordnungsgemäße Zustand einer Immobilie erhalten wird.
Im Wohnraummietrecht fasst § 555a BGB notwendige Maßnahmen zur Instandhaltung oder Instandsetzung als Erhaltungsmaßnahmen zusammen.
Beispiele:
- Wartung
- Pflege
- Austausch verschlissener Kleinteile
- laufende Erhaltung technischer Anlagen
- rechtzeitige Maßnahmen gegen fortschreitenden Verschleiß
Ziel ist nicht primär eine Verbesserung, sondern der Erhalt des geschuldeten Zustands.
Instandhaltung
Vorbeugend oder laufend den Zustand erhalten.
Beispiel:
Heizungswartung.
Instandsetzung
Einen bereits eingetretenen Defekt beseitigen.
Beispiel:
Defekte Heizungspumpe austauschen.
Beides gehört mietrechtlich zu den Erhaltungsmaßnahmen nach § 555a BGB.
Instandhaltung
Bestehenden Standard erhalten.
Modernisierung
Standard nachhaltig verbessern.
Beispiel Fenster:
- defekte Dichtung erneuern → Instandhaltung
- altes Fenster gleichwertig ersetzen → Erhaltung/Instandsetzung
- altes Fenster durch energetisch deutlich bessere Verglasung ersetzen → möglicherweise gemischte Maßnahme mit Modernisierungsanteil
Muss der Mieter Erhaltungsmaßnahmen dulden?
Ja.
§ 555a BGB bestimmt, dass der Mieter Maßnahmen dulden muss, die zur Instandhaltung oder Instandsetzung der Mietsache erforderlich sind.
Diese Maßnahmen sind grundsätzlich rechtzeitig anzukündigen.
Ausnahmen:
- nur unerhebliche Einwirkung auf die Mietsache
- sofortige Durchführung zwingend erforderlich
Beispiel:
Akuter Wasserrohrbruch.
Hier kann sofortiges Handeln notwendig sein.
Aufwendungen des Mieters
Muss der Mieter wegen einer Erhaltungsmaßnahme eigene Aufwendungen machen, hat der Vermieter diese nach § 555a BGB in angemessenem Umfang zu ersetzen.
Auf Verlangen ist Vorschuss zu leisten.
Das kann beispielsweise relevant sein, wenn der Mieter für die Maßnahme notwendige Ausgaben hat.
Wer trägt die Instandhaltungskosten?
Grundsätzlich liegt die Erhaltungspflicht des Mietobjekts beim Vermieter.
In einer Eigentumswohnung ist zusätzlich zu unterscheiden:
Sondereigentum
Kosten können den einzelnen Eigentümer treffen.
Gemeinschaftseigentum
Kosten werden grundsätzlich über die WEG nach dem geltenden Kostenverteilungsschlüssel getragen.
Instandhaltung und Betriebskosten
Instandhaltungskosten gehören nach § 1 BetrKV nicht zu den umlagefähigen Betriebskosten.
Das ist wichtig:
- Heizungswartung kann Betriebskostencharakter haben
- Reparatur oder Erneuerung eines defekten Bauteils ist dagegen Erhaltung/Instandsetzung
Nicht jede Rechnung eines Handwerkers kann auf den Mieter umgelegt werden.
Instandhaltungsplanung
Professionelle Immobilienverwaltung reagiert nicht nur auf Defekte.
Sie plant zukünftige Erhaltung.
Beispiele:
jährlich
- Heizungswartung
- Dachkontrolle
- technische Prüfungen
alle paar Jahre
- Fassadenkontrolle
- Anstriche
- Wartungsmaßnahmen
langfristig
- Fenster
- Dach
- Heizung
- Leitungen
Beispiel Mehrjahresplan
| Jahr | Maßnahme | geschätzte Kosten |
|---|---|---|
| 2027 | Heizungswartung | 600 € |
| 2028 | Fassadenreparaturen | 4.000 € |
| 2030 | Fenster Teilersatz | 8.000 € |
| 2032 | Dacharbeiten | 12.000 € |
Dadurch wird künftiger Kapitalbedarf sichtbar.
Instandhaltungsbudget
Für Investoren ist eine jährliche Instandhaltungsreserve eine sinnvolle Kalkulationsgröße.
Wichtig:
Es gibt keine universell richtige Pauschale, die für jedes Gebäude gilt.
Der Bedarf hängt ab von:
- Baujahr
- Zustand
- Bauteilen
- Sanierungshistorie
- Größe
- technischem Standard
- WEG-Struktur
geplante Kosten
Budget / Prognose.
beauftragte Kosten
Angebot oder Auftrag.
tatsächliche Kosten
Rechnung.
Beispiel:
- geschätzt: 5.000 €
- beauftragt: 5.600 €
- tatsächlich: 6.200 €
Abweichung zum Plan:
+1.200 € / +24 %
Instandhaltung und Rendite
Laufende Instandhaltung ist eine reale Eigentümerbelastung.
Wer bei einer Renditeberechnung dauerhaft 0 € ansetzt, kann den Ertrag deutlich überschätzen.
- tatsächliche historische Instandhaltung
- geplante Maßnahmen
- kalkulatorische Reserve
Beispiel
Jahresnettokaltmiete:
12.000 €
nicht umlagefähige laufende Kosten:
1.200 €
kalkulatorische Instandhaltung:
1.000 €
operativer Ertrag vor Finanzierung:
9.800 €
Damit wird das Investment realistischer bewertet als nur anhand der Bruttomiete.
Bauteil
- Dach
- Heizung
- Fenster
- Fassade
- Leitungen
- Bad
- Küche
- sonstiges
Zustand
- sehr gut
- gut
- mittel
- schlecht
- kritisch
Maßnahme
- Wartung
- Prüfung
- Reparatur
- Austausch
- Sanierung
Termine
- letzte Maßnahme
- nächster Termin
- erwartete Lebensdauer
- geplantes Jahr
Kosten
- geschätzt
- beauftragt
- tatsächlich
Lebenszyklus eines Bauteils
Beispiel Heizung:
- Baujahr: 2015
- letzte Wartung: 2026
- nächste Wartung: 2027
- größere Reparatur: 2029
- geplanter Austausch: 2035
Damit wird Instandhaltung langfristig planbar.
WEG-Verknüpfung
Bei Gemeinschaftseigentum sollte eine Maßnahme zusätzlich verbunden werden mit:
- Eigentümerversammlung
- Beschluss
- Erhaltungsrücklage
- Sonderumlage
- Verwalter
- Auftragnehmer
So entsteht ein vollständiger technischer und finanzieller Lebenslauf.
1. Instandhaltung erst bei Defekt beginnen
Vorbeugende Planung kann Kosten und Schäden reduzieren.
2. Instandhaltung und Modernisierung vermischen
Die wirtschaftlichen und mietrechtlichen Folgen unterscheiden sich.
3. Kosten als Betriebskosten umlegen
Instandhaltung/Instandsetzung sind nach BetrKV keine Betriebskosten.
4. Nur Rechnungen archivieren
Bauteil, Zustand, Ursache und Maßnahme sollten strukturiert erfasst werden.
5. Zukünftigen Kapitalbedarf nicht prognostizieren
Dann entstehen größere Ausgaben überraschend.
Was bedeutet Instandhaltung?
Den ordnungsgemäßen Zustand einer Immobilie durch laufende und vorbeugende Maßnahmen erhalten.
Was ist der Unterschied zur Instandsetzung?
Instandsetzung beseitigt bereits entstandene Defekte; Instandhaltung soll den Zustand erhalten.
Muss ein Mieter Instandhaltungsmaßnahmen dulden?
Notwendige Erhaltungsmaßnahmen grundsätzlich ja.
Sind Instandhaltungskosten umlagefähig?
Nein, Instandhaltungs- und Instandsetzungskosten sind keine Betriebskosten.
Wie viel sollte man jährlich einplanen?
Das hängt vom konkreten Gebäude ab; eine universelle gesetzliche Pauschale gibt es nicht.
Passende Artikel
Instandhaltung mit briqREC vorausplanen*
Bauteile, Zustand, Wartungen, Reparaturen und zukünftige Kosten über Jahre hinweg planen und direkt mit Rendite und Rücklagen verbinden.
Hinweis: Allgemeine Information, keine individuelle Rechts-, Steuer- oder technische Beratung.