Kategorie: Investieren Gruppe im Wissenszentrum: Objektarten Stand: August 2026 Lesedauer: ca. 16 Minuten
Kurz erklärt
Ein Mehrfamilienhaus kann für Immobilieninvestoren besonders interessant sein, weil mehrere Wohneinheiten in einem Gebäude gebündelt werden.
Dadurch entstehen Vorteile:
- mehrere Mietverträge
- verteiltes Leerstandsrisiko
- zentrale Verwaltung
- größere Skaleneffekte
- Entwicklungspotenzial
Gleichzeitig steigt aber auch die Komplexität.
Ein gutes Investment wird deshalb nicht nur anhand von Kaufpreis und Jahresmiete bewertet.
Beim Mehrfamilienhaus sollte jede einzelne Einheit separat analysiert und zusätzlich das Gebäude als Ganzes bewertet werden.
Welche Daten sind vor dem Kauf wichtig?
Mindestens:
- Kaufpreis
- Grundstück
- Wohnfläche
- Nutzfläche
- Anzahl Einheiten
- Stellplätze/Garagen
- Ist-Mieten
- Soll-Mieten
- Mietverträge
- Mietbeginn
- Kautionen
- Mietrückstände
- Leerstand
- Betriebskosten
- nicht umlagefähige Kosten
- Instandhaltung
- technische Anlagen
- Energieausweis
- geplante Maßnahmen
- Finanzierung
Ist-Miete statt Wunschmiete
Für eine belastbare Ankaufskalkulation zählt zunächst die tatsächlich vereinbarte Miete.
Beispiel:
6 Wohnungen
aktuelle Jahreskaltmiete:
48.000 €
Maklerprognose:
60.000 €
``text
contract_rent = 48.000 €
target_rent = 60.000 €
``
Nicht:
``text
rent = 60.000 €
``
Mietverträge prüfen
Bei einem vermieteten Mehrfamilienhaus übernimmt der Erwerber bestehende Mietverhältnisse grundsätzlich nach § 566 BGB.
Das bedeutet:
Die Mietverträge verschwinden nicht durch den Verkauf.
Deshalb prüfen:
- Nettokaltmiete
- Betriebskostenvorauszahlung
- Staffelmiete
- Indexmiete
- Kaution
- Sondervereinbarungen
- Stellplatz
- Mietbeginn
- Kündigungen
- Mietminderungen
- Rückstände
Eine angekündigte „Mietsteigerungsmöglichkeit“ ist kein sicherer zukünftiger Cashflow.
Rent Roll
Eine zentrale Übersicht:
| Einheit | Fläche | Miete | €/m² | Mietbeginn | Status |
|---|---|---|---|---|---|
| EG links | 72 m² | 720 € | 10,00 € | 2021 | vermietet |
| EG rechts | 65 m² | 585 € | 9,00 € | 2017 | vermietet |
| 1. OG links | 72 m² | 0 € | – | – | leer |
- Ist-Jahresmiete
- Leerstandsquote
- Durchschnittsmiete
- Mietspanne
- Vertragsalter
Bruttorendite
Beispiel:
Jahreskaltmiete:
48.000 €
Kaufpreis:
800.000 €
Das ist nur ein erster Filter.
Nettorendite
Zusätzlich berücksichtigen:
- Verwaltung
- Versicherungen
- Instandhaltung
- Leerstand
- nicht umlagefähige Kosten
- sonstige Eigentümerkosten
Ein Mehrfamilienhaus mit 6 % Bruttorendite kann nach echten Kosten deutlich darunter liegen.
Kaufpreisfaktor
Beispiel:
Auch dieser Wert ersetzt keine vollständige Analyse.
Leerstand
Leerstand kann:
- Risiko
- aber auch Potenzial
sein.
Beispiel:
Eine Einheit ist leer und renovierungsbedürftig.
Dann sollte nicht sofort die volle Marktmiete im ersten Monat nach Kauf kalkuliert werden.
Stattdessen:
``text
renovation_period
marketing_period
expected_lease_start
``
Mietrückstände
Die vertragliche Miete und der tatsächliche Zahlungseingang sind zwei unterschiedliche Größen.
``text
contract_rent
actual_payments
open_receivables
``
Kautionen
Beim Eigentümerwechsel müssen bestehende Mietkautionen sauber dokumentiert und übertragen werden.
Zu prüfen:
- Höhe
- Anlageform
- Nachweis
- Zuordnung zum Mieter
- bereits verwendete Beträge
- Übertragung beim Kauf
Technische Due Diligence
Wichtige Gebäudeteile:
- Dach
- Fassade
- Fenster
- Heizung
- Leitungen
- Elektro
- Keller
- Balkone
- Treppenhaus
- Entwässerung
Nicht nur aktuellen Zustand ansehen, sondern:
> Welche Investitionen kommen in den nächsten 5–15 Jahren?
CAPEX-Plan
Beispiel:
| Jahr | Maßnahme | Kosten |
|---|---|---|
| 2027 | Heizung | 45.000 € |
| 2029 | Dach | 80.000 € |
| 2032 | Fenster | 60.000 € |
Ein Kaufpreis von 800.000 € kann wirtschaftlich deutlich anders aussehen, wenn kurz danach 185.000 € investiert werden müssen.
Energieausweis
Das Gebäudeenergiegesetz regelt Energieausweise.
Ein Energieausweis wird grundsätzlich für ein Gebäude ausgestellt und ist regelmäßig zehn Jahre gültig.
Beim Verkauf können Pflichten zur Vorlage beziehungsweise Übergabe relevant sein.
Der Energieausweis sollte deshalb Teil der Ankaufunterlagen sein.
Heizung
Besonders prüfen:
- Baujahr
- Energieträger
- Wartung
- Verbrauch
- technische Restlebensdauer
- gesetzliche Anforderungen
- kommunale Wärmeplanung
Grundstück
Beim Mehrfamilienhaus ist nicht nur das Gebäude wertvoll.
Prüfen:
- Grundstücksgröße
- Stellplätze
- Zufahrt
- Garten
- Nebengebäude
- mögliche Nachverdichtung
- Teilbarkeit
Potenziale dürfen aber erst nach baurechtlicher Prüfung in den Investmentwert einfließen.
Betriebskosten
Für vermietete Gebäude sind Betriebskosten ein eigener Analyseblock.
Nicht umlagefähig sind insbesondere Verwaltung sowie Instandhaltungs- und Instandsetzungskosten.
Diese müssen beim Eigentümer verbleiben.
Verwaltung
Ein Mehrfamilienhaus benötigt laufende Organisation:
- Mietbuchhaltung
- Betriebskostenabrechnung
- Mieterkommunikation
- Handwerker
- Versicherungen
- Zahlungen
- Mängel
- Neuvermietung
Eigene Verwaltung spart externes Honorar, kostet aber Zeit.
Finanzierung
Banken betrachten typischerweise:
- Kaufpreis
- Objektwert
- nachhaltige Miete
- Eigenkapital
- Beleihungsauslauf
- Kapitaldienst
- Bonität
Bei größeren Mehrfamilienhäusern gewinnt die Objektwirtschaftlichkeit häufig stärker an Bedeutung.
DSCR
Ein Wert über 1 bedeutet vereinfacht, dass der operative Ertrag den angesetzten Kapitaldienst deckt.
Das ist keine allgemeine Bankzusage, aber eine sinnvolle Risikokennzahl.
Beispiel Gesamtanalyse
Kaufpreis:
800.000 €
Nebenkosten:
80.000 €
Sanierung:
70.000 €
Gesamtkapitalbedarf:
950.000 €
Ist-Jahreskaltmiete:
48.000 €
Zielmiete nach Maßnahmen:
55.000 €
Eigentümerkosten:
9.000 €
Mietausfall:
2.000 €
Operativer Überschuss vor Finanzierung:
Diese 37.000 € sind für die Finanzierung wesentlich aussagekräftiger als die Bruttomiete allein.
Einzelverkaufspotenzial
Bei manchen Mehrfamilienhäusern kann eine spätere Aufteilung in Eigentumswohnungen interessant erscheinen.
Das ist aber kein sicherer Bonus.
Prüfen:
- rechtliche Aufteilbarkeit
- Teilungserklärung
- Genehmigungen
- Mieterschutz
- Vorkaufsrechte
- steuerliche Folgen
- Vertriebskosten
Keine automatische Wertsteigerung ansetzen.
Einheiten
```text unit
- building_id
- unit_number
- floor
- living_area
- usage_type
- occupancy_status
```
Rent Roll
```text rent_roll_snapshot
- building_id
- snapshot_date
- annual_contract_rent
- annual_actual_rent
- vacancy_rate
- arrears_total
```
Ankaufprüfung
```text acquisition_due_diligence
- property_id
- legal_status
- rental_status
- technical_status
- energy_status
- financial_status
- document_completeness
- review_status
```
Warnlogiken
- Sollmiete statt Ist-Miete als Basis → Bewertung optimistisch
- Mietvertrag fehlt → Einheit nicht vollständig geprüft
- Vertragsmiete ≠ Zahlung → Mietrückstand prüfen
- CAPEX = 0 bei altem Gebäude → Maßnahmenplanung fehlt
- Energieausweis fehlt → Unterlage ergänzen
- alte Heizung → technische/regulatorische Prüfung
- hoher Leerstand ohne Plan → Vermietungsszenario ergänzen
Nur Gesamtrendite ansehen
Einzelne schlechte Mietverhältnisse können versteckt bleiben.
Zielmiete als sichere Einnahme kalkulieren
Mieterhöhungen und Neuvermietung benötigen Zeit und rechtliche Voraussetzungen.
Sanierungsbedarf unterschätzen
Bei großen Gebäuden können einzelne Maßnahmen sechsstellige Beträge erreichen.
Mietzahlungen nicht prüfen
Mietvertrag und tatsächlicher Cashflow können abweichen.
Energie und Heizung ignorieren
Sie können zukünftige Kosten stark beeinflussen.
Ist ein Mehrfamilienhaus besser als mehrere Eigentumswohnungen?
Nicht grundsätzlich. Mehrfamilienhäuser bieten mehr Kontrolle über das Gebäude, bündeln aber Risiken und Kapitalbedarf.
Was ist die wichtigste Unterlage?
Es gibt nicht eine einzige. Mietverträge, Rent Roll, technische Unterlagen und laufende Kosten müssen zusammen betrachtet werden.
Übernimmt man die Mieter beim Kauf?
Bei vermietetem Wohnraum tritt der Erwerber grundsätzlich nach § 566 BGB in das bestehende Mietverhältnis ein.
Wie viel Leerstand ist akzeptabel?
Das hängt von Lage, Ursache und Strategie ab. Leerstand sollte mit realistischen Kosten und Zeiträumen kalkuliert werden.
Sollte man geplante Mietsteigerungen einrechnen?
Ja, aber als Szenario und nicht als sichere Ist-Einnahme.
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Mehrfamilienhäuser mit briqREC prüfen*
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Disclaimer
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Rechts-, Steuer- oder Finanzierungsberatung dar. Vor dem Kauf eines Mehrfamilienhauses sollten rechtliche, technische und wirtschaftliche Unterlagen individuell geprüft werden.